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| heimwärts! – Ankommen. Zu Hause. Eine Kommunikation|
Das Stadtbild ist geprägt von Frauen mit unterschiedlichsten
kulturellen Hintergründen. Wir gehen aneinander vorbei. Wir leben
Tür an Tür, wechseln aber kaum ein Wort miteinander und reden
von Parallelgesellschaften.
Die Mehrheitsgesellschaft hat Probleme mit den Zugewanderten – Probleme
in der Kommunikation und in der Interaktion. Migrantinnen haben auch
ihre Probleme und Meinungen, aber welche?
Viele Fragen, die wir uns vielleicht gern gegenseitig stellen
würden, verbergen sich hinter Unsicherheiten, Scheu, Unwissen und
auch Schwellenangst.
„Gehen wir davon aus, dass das Wissen über
Kulturen und Informationen über ethnische Unterschiede wichtig und
gleichzeitig unwichtig ist! Im Vordergrund steht nämlich die
Begegnung. Begegnung mit Fremden setzt eine Begegnung mit uns selber
voraus. Konkreter: Lernen wir durch Selbstreflexion und
Persönlichkeitsbildung das Fremde in uns kennen und akzeptieren,
so sind wir eher in der Lage, mit Fremden zu kommunizieren.“ (Beck
2004)
Lasst uns kommunizieren, interagieren wir mit dem Mittel der Kunst.
Wir starten eine heimwärts führende Forschungsreise, die
unter anderem folgende Fragen stellt:
Bezieht sich ein Gefühl von Zuhause auf einen konkreten Ort oder
ist es eine Identifikation mit sich selbst?
Ist Zuhause die Gesamtheit der Lebensumstände?
Verweist zu Hause sein auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum
und sind deren Bezugsräume situationsbedingt, verschiebbar?
Ist Zuhause gleich Heimat?
Welches Wissen könnte uns gegenseitig helfen, ein Miteinander
aufzubauen?
„... ein Detail ist ein wirkungsvolles Werkzeug
gegen Vorurteile, denn
Vorurteile sind flächig, pauschalisierend und grob gerastert.
Details hingegen erschweren das voreingenommene Urteil, sie erfordern
einen unbefangenen Blick.“ (Beck, 2004)
SPOKUSA sucht mit der Künstlerin Zhou Fei die Begegnung mit Frauen
aus der Nachbarschaft. Wir kommunizieren mit dem Mittel der Kunst. Eine
Standort-bestimmung initiierend: Geschichte und individuelle
Lebensabschnitte mischen sich zu Fragmenten, Passagen und Details
werden aufgedeckt. Wir stellen uns dem persönlichen Heimweh und
Fernweh, der Nostalgie, reden miteinander über das Ankommen. Wir
fragen nach, nehmen uns die Zeit. Uns interessieren die Frauen. Denn
gerade Frauen leisten einem wichtigen Beitrag bei der alltäglichen
Kommunikation mit der Mehrheitsgesellschaft. Wir wollen sie ermutigen,
sich zu äußern und ihre Vorschläge für ein
gemeinsames Leben gewinnen.
Konkret planen wir von Februar bis Juli 2008
folgende Begegnungen:
Auftaktfest, Freitag, 29.2. ab 18 Uhr
soll das Projekt heimwärts! bekannt machen. Ein Fest an der „Alten
Grammophon“ mit Speis und Trank, langen Tischen, Feuertonnen, Musik und
Tanz. Wir laden die Nachbarschaft ein zu einem Lichterfest im tiefsten
Winter. Hier knüpfen wir Kontakte, stellen unser Projekt vor,
machen es schmackhaft.
Erzählen und Kochen, donnerstags ab dem 6. 3.
- 16.4. 2008
Ist ein Forum in der Tradition der Geschichtenerzählerinnen, aber
auch eine Art offene Kontaktbörse. Beim gemeinsamen Kochen von
Gerichten aus allerlei Ecken der Welt, schaffen wir eine
gemütliche Atmosphäre, die zum Erzählen und zum
Austauschen einlädt. Wir möchten besonders die Frauen, die
vielleicht leise und schüchtern sind, ermuntern, über sich zu
sprechen und sich zum Thema zu äußern. Im weiteren Prozess
des Projektes werden die Erzählabende zum Informationsaustausch
über die Videoaufnahmen genutzt.
Videoportraits
Wir besuchen die Frauen Zuhause, wenn sie uns ihre Haustür
für Aufnahmen öffnen. Sie erzählen ihre Geschichte in
ihrer vertrauten privaten Umgebung. Die Kamera nimmt die
Erzählerin im Raum auf, Spuren der Vergangenheit und Gegenwart
einfangend.
Gespräche entwickeln sich wechselseitig mit dem Fokus auf die ganz
persönliche Geschichte der Frau. Ihre Erfahrungen, ihr Zuhause,
ihr Heimatland, ihr Hannover und ihre Nachbarschaft und Familie werden
thematisiert, intim, beinahe indiskret und doch so alltäglich.
Die Ergebnisse werden Bilder sein, bewegte, unbewegte und vor allem
bewegende.
Lesungen
Drei Lesungen finden in der Alten Grammophon statt. Literarische
Interventionen zum Thema Heimat und Zuhause, aus aktueller
Migrationsliteratur verschiedener Kulturkreise. Die Lesungen werden
filmisch aufgezeichnet und sollen ein breites Publikum über den
Stadtteil und die beteiligten Frauen hinaus für das Projekt und
auch die Ausstellung interessieren.
Portraits - Videoinstallation
wird in fünf Tagen durch die Nachbarschaft wandern. Fünf
Monitore zeigen mehr als dreißig Frauen, die ihre Geschichte in
Auszügen erzählen.
Die Künstlerin Zhou Fei wird in Rückkopplung mit den
agierenden Frauen aus dem umfangreichen Material eine sensible Auswahl
treffen, um Einblicke für die Öffentlichkeit zu schaffen. Die
Videobilder zeigen Frauen von unterschiedlicher Herkunft in
verschiedenen Altersstufen, sie sprechen im Wechsel über das
gemeinsame Schicksal. Die Videoportraits übermitteln dabei die
Emotionen der Frauen: die Schmerzen der Trennung vom alten Leben, die
Hoffnung für die neuen Anfänge, die Enttäuschungen oder
auch Freuden des jetzigen Daseins. Im Hintergrund ist ihre
alltäglichen Lebensumgebung zu sehen.
Über die Künstlerin
Zhou Fei, in Hannover lebende Medienkünstlerin, arbeitet im
Bereich Film, Videokunst und digitale Fotografie, hatte zahlreiche
Ausstellungen und Film/Medienfestival-Auftritte. Zhou Fei wurde
mehrmals mit Kunstpreisen ausgezeichnet. Sie engagiert und beteiligt
sich seit Jahren in und an inter-kulturellen Projekten in verschiedenen
Ländern, wie afrikanisch- deutsche Künstleraustausche und
chinesisch-deutsche Filmprogramme. Seit einiger Zeit recherchiert sie
für Kunstprojekte über das Thema „Migration“.
Zhou Fei kam vor 10 Jahren aus China nach Deutschland. Da sie die
Problematik der Migration selbst wie viele andere Frauen erlebt,
möchte sie diese als Thema mit der Hilfe der Medien
Fotografie/Videoinstallation darstellen.
| Der schönste Tag im Leben|
Zu unserem interkulturellen Beteiligungsprojekt im Mai 2004 schreibt
die Hannoversche Allgemeine Zeitung / Stadtanzeiger Nord am 19. Mai 2004
Hochzeitsfest verbindet Kulturen
Goldstücke und Henna auf die Hand: Der Verein
Spokusa hat mit vielen Bewohnern der Nordstadt "den schönsten Tag
im Leben" zelebriert
Davon haben Stadtplaner und Politiker lange geträumt: Auf dem
Platz an der Lutherkirche tobte am vergangenen Sonnabend das Leben.
Stadtteilbewohner aus unterschiedlichen Kulturen feierten gemeinsam
"den schönsten Tag im Leben", indem sie typische Bräuche rund
um das Hochzeitsfest zelebrierten. Initiiert wurde das bunte Spektakel
vom Verein Spokusa; etliche Nordstädter Institutionen und
Geschäftslaute waren ebenfalls an den Vorbereitungen beteiligt.
Pünktlich um 15 Uhr läuten die Glocken der Lutherkirche. Auf
dem festlich geschmückten Kirchenplatz tummeln sich strahlende
Hochzeitspaare, aufgeregte Brautjungfern und Kinder mit
Blumenkörben. Unter Trommelwirbeln setzt sich der Hochzeitszug in
Bewegung, angeführt vom Paar des Tages, Christine Sengpiel und
Kaveh Ahangan. Die beiden Pädagogen vom Kinderhaus Spunk sind als
Braut und Bräutigam herausgeputzt. Zu der quirligen Kinderschar,
die dem Hochzeitspaar vorausmarschieren, gehören auch Sevan und
Yasin, beide im dunklen Anzug und mächtig stolz auf ihr Amt als
Blumenstreuer. Der Tross, der sich langsam durch die Straßen
bewegt, wird von Brautjungfern in selbst entworfenen Kleidern und bunt
kostümierten Gauklern der Theatergruppe Mandragon begleitet. Unter
den traditionell gekleideten Brautleuten sticht ein Paar auf
Einrädern hervor. Eher nostalgisch mutet die weiße
Pferdekutsche an, während das blumengeschmückte Hochzeitsauto
locker vom Cadillac am Ende des Zuges getoppt wird.
Immer wieder stoppt der Konvoi, weil das Brautpaar verschiedene
Aufgaben bewältigen muss. In der Callinstraße hat die
sechsjährige Pia mit ihrem Bruder Arndt ein Seil gespannt.
Bräutigam Kaveh kauft sich bei den Kindern schnell mit einer
Handvoll Bonbons frei und darf mit seinen Gästen weiterziehen.
Weitere Hochzeitsrituale erwarten das Paar auf dem Kirchenplatz. Nach
orientalischem Brauch wird der so genannte Henna-Abend zelebriert, bei
dem die Braut von ihren Freundinnen und ihrer Familie verabschiedet
wird. Günes Yilmaz, die die türkische Kindertanzgruppe im
Kulturtreff Heinholz leitet, kennt diese Hochzeitstradition aus eigener
Erfahrung: Der Braut, durch die Lieder ihrer Freundinnen zu Tränen
gerührt, werden die Hand-Innenflächen mit Henna bemalt. Als
Symbol für die Aufnahme in die Familie ihres Mannes erhält
sie anschließend von ihrer Schwiegermutter mehrere
Goldstücke.
Rund 300 "Hochzeitsgäste" verfolgen die verschiedenen Musik- und
Tanzaufführungen unter freiem Himmel und lassen sich an
meterlangen Tischen die traditionelle Hochzeitssuppe und -torte
schmecken. Alte Hochzeitsfotos von Paaren aus dem Stadtteil flattern an
einer Wäscheleine im Wind, eine Tonbandaufnahme mit Ja-Worten in
verschiedenen Sprachen spiegelt die multinationale Gesellschaft auf dem
Kirchenplatz wider.
Für das größte Hochzeitsfoto der Nordstadt erklimmen
weit mehr als 100 Besucher - darunter auch Bezirksbürgermeister
Alptekin Kirci - die Bühne neben der Kirche. Brav lächeln
alle in die Kamera, als plötzlich eine Handvoll weißer
Tauben aufsteigt und über die Dächer der Nordstadt
davonfliegt.
| Radfahren lernen in der Nordstadt |
Dieses Projekt lief in der Zeit vom 30.09. -
11.10.2002 auf dem Schulhof der Grundschule Auf dem Loh. Es war ein
voller Erfolg. Alle Teilnehmerinnen haben das Radfahren erlernt. Wir
werden den Kurs baldmöglichst wiederholen!
Teilnehmerinnen waren Migrantinnen aus der Nordstadt. Für deren
Kinder wurde zeitgleich eine Betreuung organisiert. Leiterin des
Projektes war Anne Engelbrecht. Im Herbst 2003 wurde das Projekt mit
demselben Erfolg wiederholt.
Aus der Vorankündigung (August 2002):
Der Alltag in der hannoverschen Nordstadt ist durch Fahrräder
geprägt: Radfahrende Studierende auf dem Weg zur Mensa, Kinder mit
Helmen auf den Radwegen, RadfahrerInnen, neben denen ihre Hunde
herlaufen. Ob im Park oder auf der Straße, ob alte oder junge
Menschen: Das Fahrrad gehört zum Stadtteil. Türkinnen oder
muslimische Frauen mit Kopftüchern, die gerade in der Nordstadt
einen großen Teil der BewohnerInnen ausmachen, sieht man dagegen
selten Rad fahren.
Warum können so viele Migrantinnen nicht Rad fahren? Was hindert
sie? Sind es kulturelle Hintergründe, Vorstellungen von der
Frauenrolle, finanzielle Aspekte oder andere Gründe? Welche
Vorteile hat das Radfahren? In unseren interkulturellen Gruppen war
dies immer wieder Thema. Nun haben wir für die Herbstferien ein
Projekt geplant, in dem Migrantinnen die Möglichkeit haben, das
Radfahren zu lernen.
»Ich hätte nie gedacht, dass das klappt, wie schön,
nach 30 Jahren ohne Radfahren nun durch die Gegend zu radeln.«
»Endlich muss ich mich nicht mehr rechtfertigen oder mir Ausreden
ausdenken, wenn die anderen etwas mit dem Rad unternehmen.«
Dies waren Reaktionen, als wir im Juni einen Radfahrkurs für
Erwachsene mit begleitet haben. Es war schön zu beobachten, wie
konzentriert, engagiert und mit wie viel Spaß die TeilnehmerInnen
geübt haben und am Ende stolz über den Schulhof geradelt sind.
Für den Herbst haben wir ein Radfahrprojekt für Migrantinnen
geplant und dafür Projektmittel beantragt. Beginnen werden wir das
Üben mit übergroßen Rollern, so können sich die
Teilnehmerinnen an die Geschwindigkeit gewöhnen, lenken und
bremsen üben - aber auch jederzeit wieder abspringen. Mit Hilfe
von Laufrädern können sie langsam ein Gefühl
für´s Radfahren bekommen, aber der Kontakt zum Boden bleibt
bestehen. Später werden kleine Übungen mit dem Rad
durchgeführt; auch das Lernen oder Wiederholen von Verkehrsregeln,
Informationen zu Kindersitzen, Helmen, Fahrradkauf, Diebstahl und
Versicherung gehören dazu. Die Frauen werden lernen, kleine
Reparaturen an den Fahrrädern selber durchzuführen. Das
Projekt soll dazu beitragen, den Migrantinnen eine Teilnahme am
"Radfahralltag" zu ermöglichen.
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